

In der Welt der Tennissaiten wird der Begriff Steifigkeit oft sehr allgemein verwendet, fast so, als wäre er ein absoluter Wert. Tatsächlich verbergen sich dahinter zwei unterschiedliche, komplementäre, aber nicht austauschbare Größen: statische Steifigkeit und dynamische Steifigkeit. Ihr Unterschied ist entscheidend, um Leistung, Komfort und die Belastung für den Arm korrekt zu bewerten.
Die statische Steifigkeit beschreibt den Widerstand der Saite gegen Dehnung unter zunehmender Zugbelastung, wie sie beim Besaiten oder in Labortests auftritt. Dieser Wert ist nicht linear: Eine Saite verhält sich bei unterschiedlichen Belastungen nicht gleich. Ursachen sind unter anderem die Ausrichtung der Molekülketten, Materialdichte, Zusammensetzung sowie Geometrie und Konstruktion der Saite.
Die statische Steifigkeit ist somit der strukturelle Fingerabdruck einer Saite. Sie beeinflusst Schlaggefühl, wahrgenommene Kontrolle, Stabilität des Saitenbetts und den grundlegenden Komfort. Hohe statische Steifigkeit führt zu einem festeren, direkteren Gefühl, während weichere Saiten progressiver und fehlerverzeihender reagieren.
Während die statische Steifigkeit beschreibt, was eine Saite ist, zeigt die dynamische Steifigkeit, wie sie sich im Spiel verhält. Sie misst den Widerstand der Saite während des Ballkontakts – unter hohen Belastungen, extrem kurzen Zeitfenstern und schnellen zyklischen Verformungen. Sie hängt eng mit der Überdehnung bei Aufprall zusammen: Je höher diese ist, desto größer ist der übertragene Schock.
Biomechanisch bedeutet hohe dynamische Steifigkeit mehr Stoßbelastung und damit mehr Stress für die Gelenke, während eine niedrige dynamische Steifigkeit mehr Energie absorbiert und Arm sowie Schulter besser schützt. Komfort und Gelenkschonung sind daher umgekehrt proportional zur dynamischen Steifigkeit.
Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, dass eine „weiche“ Saite grundsätzlich weich ist. Tatsächlich kann eine Saite statisch weich, aber dynamisch steif sein – oder im Labor steif erscheinen, sich im Spiel jedoch überraschend komfortabel anfühlen. Deshalb ist die Spielspannung entscheidend: Selbst sehr elastische Saiten können bei zu hoher Spannung problematisch werden.
Um die Gelenke zu schützen, ohne Leistung einzubüßen, reicht es nicht, nur einen Wert zu betrachten. Es braucht einen ganzheitlichen Ansatz: statische Steifigkeit für die Struktur, dynamische Steifigkeit für den realen Spieleindruck sowie Spannung, Schläger und Spielstil als zentrale Einflussfaktoren. Steifigkeit ist kein Feind, sondern ein Werkzeug, das bewusst eingesetzt werden muss.