

Häufig wird über 2-Knoten- und 4-Knoten-Besaitungen gesprochen, doch ohne objektive Messdaten ist ein echter Leistungsvergleich desselben Rahmens mit unterschiedlichen Patterns kaum möglich. Ebenso wichtig ist die Frage, was sich zwischen einer korrekt ausgeführten Technik und einer nicht orthodoxen Vorgehensweise verändert.
Deshalb haben wir eine 4-Knoten-Referenzbesaitung mit drei gängigen 2-Knoten-ATW-Varianten verglichen und zusätzlich drei nicht orthodoxe Methoden einbezogen, um Konsequenzen, Kompromisse und Risiken sichtbar zu machen.
Die „orthodoxen“ 2-Knoten-ATW-Patterns:
Zusätzlich untersuchte „nicht orthodoxe“ Methoden:
Der Test wurde am gleichen Rahmen (Babolat Pure Drive 2018) bei 24 kg mit einem Monofilament (Signum Pro Poly Plasma 1,23 mm) durchgeführt, wobei jede Sequenz nacheinander umgesetzt wurde. Ziel ist keine absolute Rangliste, sondern das Herausarbeiten von Vor- und Nachteilen sowie praktischen Folgen der jeweiligen Vorgehensweise.
Protokoll:
Die 4-Knoten-Besaitung dient als Referenz, da sie weltweit als Standard für Praxis und Reproduzierbarkeit gilt. Hier wurden Längs- und Quersaiten nominal gleich eingestellt (24/24 kg), wobei bekannt ist, dass Reibung beim Einziehen der Quersaiten die effektive Quersaitenspannung senkt.
Damit steigt die Differenz zwischen effektiver Längs- und Quersaitenspannung mit höherer Reibung und höherer eingestellter Spannung.
Kerndaten: reale Spannung 24 kg; nach 4 Stunden 23,2 kg (−0,8 kg); Frequenz 625 Hz → 599 Hz; dynamische Steifigkeit oben 38,3 DT-CH, Mitte 34,5 DT-CH.
Bei Rahmen, die Quersaiten „von unten“ vorsehen, bevorzugt die moderne Praxis das Einziehen der Quersaiten von oben nach unten, um Deformationen und Belastungen zu reduzieren. ATW Universal (Wilson box) ist die am häufigsten genutzte 2-Knoten-Alternative zur 4-Knoten-Besaitung und gilt als zuverlässig und gut reproduzierbar.
Kerndaten: reale Spannung 24,3 kg; nach 4 Stunden 23,2 kg (−1,1 kg); Frequenz 650 Hz → 630 Hz; Steifigkeit oben 40 DT-CH, Mitte 36,0 DT-CH. Im Vergleich zur 4-Knoten-Referenz zeigt der untere Bereich tendenziell mehr Steifigkeit, was Sweetspot und Toleranz unterstützt.
Das Liam-Nolan-Pattern basiert auf professioneller Erfahrung und ermöglicht bei 2 Knoten den Start der Quersaiten von oben bei Rahmen, die historisch andere Sequenzen nahelegen. Technisch erinnert es an ein ATW „no-count“ und liefert eine mit ATW Universal vergleichbare Performance bei guter Umsetzbarkeit.
Obwohl es früher hinsichtlich möglicher Rahmenverformung diskutiert wurde, konnten im Test keine auffälligen Deformationen festgestellt werden.
Kerndaten: reale Spannung 24,3 kg; nach 4 Stunden 23,0 kg (−1,3 kg); Frequenz 650 Hz → 625 Hz; Steifigkeit oben 39,5 DT-CH, Mitte 35,8 DT-CH. Auch hier ist der untere Bereich im Vergleich zur 4-Knoten-Referenz tendenziell steifer, was die Toleranz verbessert.
Die 3+3-Box ist ein komplexeres Pattern, historisch mit High-Level-Setups verbunden, und zielt darauf ab, saubere Wege zu erzeugen und Quersaiten konsequent von oben zu starten. Richtig ausgeführt kann es ein anderes Spielgefühl als die gängigeren ATW-Varianten liefern.
Kerndaten: reale Spannung 23,8 kg; nach 4 Stunden 22,6 kg (−1,2 kg); Frequenz 640 Hz → 620 Hz; Steifigkeit oben 39,5 DT-CH, Mitte 35,5 DT-CH. Die Uniformität ist gut, die Gesamtsteifigkeit etwas niedriger als bei ATW Universal und Liam, vermutlich auch durch höhere Reibung beim Abwärtsverlauf der Quersaiten.
Das Bottom-up-Einziehen der Quersaiten wird teils noch praktiziert, doch seit den 1980er-Jahren setzt sich im Profi-Umfeld verstärkt Top-down durch, um das Risiko von Deformationen und Belastung im Halsbereich zu senken.
Kerndaten: reale Spannung 23,4 kg; nach 4 Stunden 22,6 kg (−0,9 kg); Frequenz 635 Hz → 620 Hz. Die Steifigkeitsverteilung wirkt tendenziell „umgekehrt“ zu Top-down-Sequenzen, was zu einem insgesamt weicheren Gefühl führt, besonders im oberen Bereich.
Gleichzeitig ist zu betonen, dass diese Methode an Attraktivität verloren hat, da sie mit erhöhtem Risiko für Deformationen und lokale Belastung in kritischen Zonen verbunden sein kann.
Diese überholte und nicht empfehlenswerte Technik stammt aus Zeiten technischer Einschränkungen älterer Maschinen. Asymmetrische Längssaiten und häufig bottom-up Quersaiten erhöhen das Risiko von Ungleichgewichten.
Kerndaten: reale Spannung 23,5 kg; nach 4 Stunden 22,4 kg (−1,1 kg); Frequenz 635 Hz → 615 Hz. Seitliche Steifigkeitsunterschiede können etwa 5–6% erreichen, was einem spürbaren Ungleichgewicht (ca. 1–1,5 kg) zwischen den Seiten entsprechen kann.
Um asymmetrische Verformungen, Risse und Leistungseinbußen zu vermeiden, ist diese Methode strikt abzulehnen.
Diese Vorgehensweise ist keine echte Technik, sondern ein Zeitspartick, das Qualität, Konsistenz und Sicherheit unterläuft. Reibungseffekte und fehlende Homogenität führen zu einer effektiven Besaitungsspannung, die deutlich von der nominalen Einstellung abweichen kann, inklusive realer Rahmrisiken.
Kerndaten: reale Spannung 20 kg; nach 4 Stunden 19,0 kg (−1,0 kg); Frequenz 565 Hz → 545 Hz; Steifigkeit oben 35,5 DT-CH, Mitte 32,0 DT-CH. Spannungsstabilität und dynamische Haltbarkeit werden stark verschlechtert, die Performance wird inkonsistent und schwer vorhersehbar.
Zur Vermeidung von Verformungen und strukturellen Schäden sowie zum Schutz der Performance ist diese Methode dringend zu vermeiden.